Paraguay und die Prophezeiung der Apokalypse

Paraguay und die Prophezeiung der Apokalypse

Paraguay ist ein Paradies für deutsche Auswanderer. Etliche deutsche Kolonien sind über das Land verstreut, die zum Teil vor vielen Jahrzehnten gegründet wurden. Einige der Auswanderer kamen, weil sie nach dem zweiten  Weltkrieg der Entnazifizierung entgehen wollten, andere – die späteren – um vor dem deutschen Sozialstaat zu fliehen, der ihnen regelmäßig was von ihrem Geld wegnimmt.

In meinem Hostel in Asunción treffe ich drei angehende deutsche „Wirtschaftsflüchtlinge“ – der jüngste 27, der mittlere etwa 40, der älteste um die 60 Jahre alt. Sie alle haben vor, ihr neues Glück in Paraguay zu suchen.

Ich merke schnell, dass alle drei grundlegende Dinge gemeinsam haben: Sie alle glauben an die große Verschwörung deutscher Politiker, welche angeblich jetzt schon wissen, dass unsere Wirtschaft bald völlig zusammenbrechen wird und uns dies verschweigen. Sie alle halten die Migranten für fundamental mit Schuld an unserem „Elend“. Und sie alle haben eine tiefe Abscheu gegen den deutschen Sozialstaat, der sie durch den Einzug von Steuern regelmäßig „enteignet“. (Wobei sich der etwa 60-Jährige jetzt schon auf seine Rente freut.)

Um etwas höflichen Smalltalk zu betreiben, frage ich den Fast-Rentner, ob das mit dem ohnehin schon heißen Klima hier in Paraguay nicht brenzlich werden könnte, wenn der Klimawandel die Temperaturen noch weiter nach oben treibt. Daraufhin erklärt er mir, dass der Klimawandel eine Erfindung der Finanzindustrie sei. Woraufhin ich den Tisch verlasse. (Es gibt drei Kategorien von Menschen, mit denen ich nicht diskutiere: (1) Leute, die die Erde für eine Scheibe halten, (2) Holocaust-Leugner und (3) Leute, die immer noch den Klimawandel in Frage stellen.)

Kurz darauf gesellt sich der mittelalte Wirtschaftsflüchtling zu mir und wir fangen an zu plaudern. Er  will bald seine Eigentumswohnung in Deutschland verkaufen, um mit dem Erlös als Startkapital in Paraguay ein neues Leben zu beginnen. Ich bin neugierig und zwischen uns entspinnt sich ein interessantes Gespräch:

Ich:
Wie ist denn die Politik hier so?

Er:
Wie überall.

Ich:
Die ist ja in manchen Ländern sehr unterschiedlich. Peru und Bolivien zum Beispiel.

Er:
Ja? Was ist denn da unterschiedlich?

Ich:
Peru hat eine eher rechte Regierung, in Bolivien herrscht Sozialismus.

Er:
Und wie sind da die Steuern?

Ich:
Weiß ich nicht. Wenn ich reise, ist das nicht das Erste, was mich interessiert.

Er:
Aber das ist doch wichtig.

Ich:
Wichtig finde ich zum Beispiel das Rechtssystem. Wie ist denn das hier so?

Er:
Auch nicht schlechter als in Deutschland, wo alle Richter ein Parteibuch haben. Echte Gewaltenteilung gibt es doch bei uns nicht. Neulich hab ich gelesen, dass ein Richter für die GEZ entschieden hat, wo doch sein Bruder für die GEZ arbeitet.

Ich:
Wenn dich Vetternwirtschaft stört, willst du ausgerechnet nach Südamerika ziehen?

Er:
‘Ne GEZ gibt‘s hier zumindest nicht.

Ich:
Aber Vetternwirtschaft, die viel schlimmer ist als in Deutschland.

Er:
Na und? Was geht‘s mich an?!

Ich:
Vielleicht brauchst du mal irgendwas und dann…

Er (unterbricht mich):
Was soll ich denn brauchen?

Ich:
Zum Beispiel irgendeine Genehmigung und dann…

Er (unterbricht mich wieder):
Ich brauche nichts! Und wenn, dann hab ich Geld. Ich glaube, du machst dir zuviele Gedanken.

Ich:
Oder du dir zu wenige.

Er (schüttelt mit dem Kopf und ringt nach Worten):
Bisher sind alle Prophezeihungen der Bibel eingetroffen. Warte mal ab, was passiert!

Ich:
Was wird denn passieren? Ich komme aus dem Osten, da kennen wir uns mit der Bibel nicht so aus.

Er:
Dann musst du sie mal lesen.

Ich:
Da hab ich Besseres zu tun. Gib mir doch einfach eine Zusammenfassung, was uns erwartet.

Er:
Was weiß ich denn?! Bin ich Hellseher?

Ich:
Aber du hast doch gerade gesagt, dass…

Er:
Ja, aber ich weiß doch nicht, wann die Dinge eintreffen.

Ich:
Ist doch erstmal egal, wann. Was wird denn passieren?

Er:
Na die Apokalypse!

Ich:
Und die kommt dann nicht bis nach Paraguay?

Er:
Du hast ja wohl echt keine Ahnung!
(Steht auf und geht.)

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