Prepaid-Karte in Peru? Claro que… ¡nó!

Prepaid-Karte in Peru? Claro que… ¡nó!

Vorgestern Abend bin ich in Lima angekommen. Da ich diesmal mehrere Wochen in Peru bleibe, war eine meiner ersten Amtshandlungen, mir eine peruanische SIM-Karte für das Handy zu besorgen. Ich wohne in Miraflores, da sollte das doch eigentlich kein Problem sein, dachte ich. Ich hatte keine Ahnung, dass es ein Tagesprojekt werden würde!

Laut Internet-Recherche sollte es im Metro-Supermarkt am Kennedy-Park einen Claro-Stand geben. Immer wieder lief ich um den Kennedy-Park, um den Metro-Supermarkt zu finden. Erfolglos. (Ohne Handy leider auch kein Google Maps.) Ich fragte immer wieder Leute und wurde immer wieder an unterschiedliche Orte geschickt. Unter anderem etwa vier Kilometer in ein kleines Einkaufscenter am anderen Ende des Stadtviertels. Auch da: Keine SIM-Karte. Ich lief den ganzen Weg zurück und fand diesmal immerhin den Metro, darin jedoch keinen Claro-Stand. Ich fragte mich weiter durch und wurde nun zum Claro-Shop geschickt, der sich etwas einen Kilometer weiter befand.

In Peru sind Schlangen in Geschäften ein großes Ding. Im Claro-Shop gab es gleich mehrere: In die erste stellte man sich, um sein Anliegen vorzutragen und eine Nummer zu bekommen, mit der man sich dann an eine weitere Schlange stellen durfte. Geschätzte Wartezeit in der ersten: etwa 30 Minuten. Ich stand nun also in dieser ersten Schlange, um so eine Nummer zu bekommen. Nach etwa fünf Minuten sprach mich eine US-Amerikanerin an, weil ich offenbar etwas verstört aussah. Sie erzählte, sie lebe seit sechs Jahren in Lima, kenne sich aber nicht mit Prepaid-Karten aus. Jedoch vermutete sie, dass der Claro-Shop dafür keine gute Adresse sei und bestätigte dies durch Anruf bei einem Freunde. (Warum sollte ein Telefonanbieter in seinem Geschäft auch Prepaid-Karten verkaufen? Wahrlich eine absurde Vorstellung!)

Ich glaubte ihr und ihrem Freund, also verließ ich die Schlange und stellte mich neben sie, um mich besser mit ihr unterhalten zu können. Dann fragte ein englisch sprechender Typ weiter hinten, was mit meinem Platz in der Schlange sei. Ich sagte, ich gebe ihn wohl auf, da ich hier scheinbar falsch sein. Wir diskutierten zu dritt weiter und kamen zu dem Schluss, dass es doch Sinn machen würde, hier im Shop zu fragen. Ich fragte: Und wo war jetzt mein Platz in der Schlange? Da sagt der Typ, der mir eben noch nahegelegt hatte, doch zu bleiben, und fünf Minuten vorher meinen Platz in der Schlange übernommen hatte: „Nirgendwo!“ Ich müsse mich wieder ganz hinten anstellen. In dem Moment wusste ich nicht, ob ich laut schreien, heulen oder ihm eine verpassen soll. Es war schwierig genug, als Nicht-Spanisch-Sprecherin eine SIM-Karte zu finden, doch dann von englisch sprechenden Expats dermaßen verarscht zu werden, das war einfach zuviel.

Mittlerweile war meine Verzweifelung ein Schauspiel für den ganzen Laden geworden, sodass sich nun auch noch eine dritte Amerikanerin einmischte. Sie empfahl mir, zu Vong, einem anderen Supermarkt zu gehen. Plötzlich waren sich alle einig, dass Vong die beste Idee sei. ich war zwar im Stillen sicher, dass der Claro-Shop die bessere Idee sei und all diese Leute keine Ahnung hatten, doch ich wollte auf keinen Fall die Demütigung erleiden, mich noch einmal hinten in diese Schlange stellen zu müssen! Also ging ich zu Wong – wo ich natürlich keine SIM-Karten bekam.

Ich vertagte das Thema erstmal auf später und fuhr zu einem Bekannten, der mich zum Essen eingeladen hatte. Leider konnte auch er mir in Sachen SIM nicht weiterhelfen, sodass ich den Rest des Nachmittags nutze, um meine Mission abzuschließen.

Nach einer weiteren Stunde im Claro-Shop, ging ich schließlich mit funktionierendem Handy hinaus. Dafür musste ich nur acht verschiedenen Leute befragen, etwa fünf verschiedene Orten in Miraflores aufsuchen (manche davon mehrfach), etwa 10 Kilometer Fußmarsch zurücklegen und geraume Zeit in Warteschlangen stehen. Hätte ich gleich meinem Verstand getraut und wäre im Claro-Shop geblieben, hätte ich mir einen halben Tag und viele Nerven sparen können.

Ansonsten habe ich gelernt: Man kann Guthaben-Karten fürs Telefon so ziemlich überall in Peru kaufen. In Supermärkten, Apotheken, Kiosken… Doch den eigentlichen Chip fürs Telefon bekommt man nur in den Shops der Telefonanbieter oder ganz besonderen Ständen selbiger. Denn für den Kauf eines Chips muss man seine ganzen Personalien (einschließlich Pass-Kopie) hinterlassen. Das ist nicht mit einem Kauf getan, sondern ist ein ganzer Registrierungsprozess. Sobald man die richtige Anlaufstelle gefunden hat, ist der allerdings sehr unkompliziert.

Prepaid-Karte heißt auf Spanisch übrigens „tarjeta prepago“, was jedoch auch als Guthaben-Karte verstanden werden könnte. Sicherer ist deshalb, man fragt nach einem „chip para el celular“. Da versteht jeder, dass das kleine Ding gemeint ist, welches man in das Telefon steckt.

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