Bezauberndes Cusco

Bezauberndes Cusco

Ich habe die letzte Etappe meiner Pilgerreise durch Peru erreicht: Cusco und das Heilige Tal. Es war bisher die schönste Zeit meiner Reise und ich bedauere es, dass ich mich entschieden habe, nur eine Woche zu bleiben. Cusco unterscheidet sich so sehr von allen anderen Städten, die ich besucht habe: ein verträumtes, tief entspanntes Versteck hoch oben in den Bergen, wo indigenes Leben auf Hippie-Kultur trifft.

Ich kam früh morgens mit dem Nachtbus aus Arequipa in Cusco an und habe mich vom Taxi ins Hostel bringen lassen. Mein Hostel „Casa de la Gringa“ liegt im Stadtteil San Blas auf einem Berg in der Altstadt. San Blas ist das Künstlerviertel Cuscos und für mich mit Abstand der schönste Ort der Stadt. Hier mischt sich Tradition mit viel Hippie- und einer Prise Hipster-Geist. (Cusco ist wahrscheinlich der einzige Ort in Peru, an dem man vegane Restaurants und glutenfreie Speisen findet.)

Es war noch zu früh für den Check-in, daher musste ich noch etwas Zeit im Wohnzimmer totschlagen und nahm erstmal eine Dusche. Nach einer Fahrt mit dem Nachtbus fühlt man sich etwas schmutzig. Ich bekam dann relativ schnell mein Zimmer, das auf der anderen Straßenseite in einem Anbau lag. Dort traft ich Marc aus Belgien, der schon zwei Wochen in Cusco verbrachte. Wie ich später erfuhr, bestand Marcs Tag vor allem daraus, im Hof zu sitzen und Joints zu rauchen, gern auch mit seinem Kumpel Ali, einem etws in die Jahre gekommenen Hippie aus Deutschland, den es dauerhaft nach Cusco verschlagen hatte. (Bzw. „dauerhaft“ kann man auch nicht sagen: Ali wartet seit acht Jahren darauf, dass sein Motorad – von wo auch immer – nach Peru geliefert wird, sodass er damit weiterfahren kann. Ob es jemals ankommen wird?) Die beiden komischen Vögel waren für mich ein Ankerpunkt in Cusco, den ich sehr schnell lieb gewonnen hatte. Es war schön, zurück ins Hostel zu kommen und zu wissen, dass dort jemand ist, mit dem man entspannt den Tag ausklingen lassen kann.

Den Rest des ersten Tages verbrachte ich damit, mir etwas die Stadt anzusehen. Besonders weit kam ich jedoch nicht: Am Plaza de Armas machte mir die Höhenkrankheit sehr zu schaffen, mit der die steilen Gassen in der Altstadt zu einer echten Herausforderung wurden, was Kondition betrifft.

Einen Tag meiner Cusco-Woche verbrachte ich auf einem Mini-Retreat im Montain House von „Another Platet“ mit meinem alten Freund San Pedro, dem heiligen (und haluzinogenen) Anden-Kaktus. Das, was für die indigenen Gemeinschaften im Amazonas das Ayahuasca ist, ist für die Andenvölker der San Pedro, auch Huachuma genannt. Ich hatte bereits eine erste Begegnung mit ihm während meiner ersten Peru-Reise nach Iquitos und es war ein ganz bemerkenswertester Tag.

Nicht damit wir uns falsch verstehen: Ebenso wenig wie Ayahuasca ist San Pedro ein Spaßtrip. Man hat üble Begleiterscheinungen und muss mit Gefühlsströmen und Erkenntnissen rechnen, um die man nicht gebeten hat. Beide Pflanzen gelten in ihren jeweiligen Kulturen als Heiligtum und werden zur spirituellen Einsicht verwendet. Begegnungen mit ihnen können dementsprechend sehr anstrengend und schwierig werden.

So war auch meine zweite Begegnung mit Pedro eher schwierig. Die Wirkung hält sehr lange (etwa 12 Stunden) an, sodass man einen ganzen Tag damit beschäftigt ist. Ich rate dringend davon ab, San Pedro irgendwo oder auf dem Markt zu kaufen und selbst anzurühren. Die richtige Dosierung zu finden ist ausgesprochen schwierig, man braucht gute Begleitung, eine kleine medizinische Vorbereitung (Sicherstellen, dass man bestimmte Medikamente nicht nimmt, bestimmte Vorerkrankungen nicht hat und am Tag vorher eine Diät einhält) und in jedem Fall jemanden mit Erfahrung, der auf einen aufpasst während der wirklich sehr langen Wirkungszeit. Another Planet ist eine gute Anlaufstelle für San Pedro in Cusco. Dreimal in der Woche gibt es im Mountain House, also ganz oben über den Dächern Cuscos, einen San-Pedro-Tag. Um teilzunehmen, kann man sich einfach im Casa de la Gringa melden.

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